Geschichte

Die Stadt Gross-Betschkerek ist eine der ältesten und schönsten Städte des Banates.
Die Stadt liegt 50 km nördlich von Belgrad an dem Fluß Bega.
 

A. Geschichte des Banates

Wie Herodot, der Vater der Geschichte berichtet, lebten im Gebiet des heutigen Banats
Ende des 6.Jahrhunderts v.Chr. die Agathyrsen, zu denen die Illyrer und die Thraker
mit dem Unterstamm der Daker gehörten. Um 400 v.Chr. drangen die Kelten in das
Banat vor .Im ersten Jahrhundert kamen die Römer, diese machten dieses
Gebiet im Jahre 107 n.Chr. zur römischen Provinz Dakien. Um 275 n.Chr. ging diese
Provinz für Rom verloren. Jazygen, Wandalen, Heruler, Gepiden und Ostgoten nahmen
nacheinander dieses Gebiet in ihren Besitz. Im 4-Jahrhundert n.Chr. wurde das Banat
zum Schauplatz einer der schwersten Hunneninvasion.

Nach dem Untergang der Hunnen herrschten im Banat die germanischen Gepiden,

die jedoch im 8. Jahrhundert n.Chr. von den Aaren und deren slawischen Hilfsvölkern

verdrängt wurden.

Ende des 9. Jahrhundert n.Chr. kamen die aus dem Osten kommenden Madjaren ins
Banat ,das sie bis zur Eroberung durch die Türken 1552 n.Chr. beherrschten.
Während der Türkenherrschaft war das Banat in weiten Teilen entvölkert und bestand
weitgehend nur aus Sumpfland.


Nach der Vertreibung der Türken durch Prinz Eugen wurde dieses Gebiet 1716 zum
kaiserlichen Kronland Österreichs erklärt.1720 wurde Graf Mercy zum Gouverneur
ernannt .Seine wichtigste Aufgabe war die Kultivierung und die wirtschaftliche
Eingliederung des Banats in die Österreichische Monarchie.
Zwischen 1722 und 1787 kamen in mehreren Einwanderungswellen (Schwabenzüge
unter Karl VI, Maria Theresia und Josef II) aus Österreich, Süd- und Westdeutschland
sowie Elsass-Lothringen , zur Wiederbevölkerung des Banats.
Neben dieser Ansiedlung sicherte sich Österreich auch, vor allem mit serbischen
Zuwanderern, die bestehende Militärgrenze gegen die Türken ab.
Im Jahre 1799 kam das Banat zu Ungarn und wurde zwischen 1848 und 1860 der
Ungarischen Krone unterstellt.
Nach dem Vertrag von Trianon 1920 wurde das Banat, dieses relativ geschlossene
deutsche Siedlungsgebiet in drei Teile zerrissen. Der größte Teil kam zu Rumänien,
der westliche Teil zu Jugoslawien und ein kleiner nördlicher Teil zu Ungarn.
Bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges lebten im Ostbanat 300.000 Deutsche, im
Westbanat 130.000 Deutsche und im Nordbanat 10.000 Deutsche.
Nach der Kapitulation Jugoslawiens ,gehörte das Westbanat von 1941 -1944 zum
Gebiet des Militärbefehlshabers Serbien und wurde nach dem Ende des Zweiten
Weltkrieges in den neuen Staat Jugoslawien eingegliedert.
Genozid, Flucht und Vertreibung führten zu einem nahezu vollständigen Verschwinden
der Deutschen aus dem Westbanat, während sich im Ost- und Nordbanat noch deutsche
Bevölkerungsreste erhalten haben.

 

B. Geschichte der Stadt Gross-Betschkerek

„Aus einer Wüste ward ein blühend Eden,

Aus Sümpfen hob sich eine neue Welt,, diese Worte des Banater

 

Heimatdichters Adam Müller-Guttenbrunn, sind die beste Beschreibung der Entstehung und Entwicklung der Stadt Gross-Betschkerek. Die Gegend des Banates in der die Stadt gegründet wurde gehört zum Gebiet des Theisser-Flachlandes mit vielen Bächen und Sümpfen. Bei archäologischen Ausgrabungen wurde festgestellt, dass dieses Gebiet schon in der vorgeschichtlichen Zeit von Menschen bewohnt war. So wurde bei Ausgrabungen in der Nachbar-Gemeinde Aradac die Reste einer Ansiedlung aus der jüngeren Steinzeit freigelegt.

Das Banat war Jahrhunderte lang die „Eingangspforte" für Asiatische-Völker nach Mittel- und Südeuropa.

Die historische Entwicklung der Stadt Gross-Betschkerek, als Mittelpunkt des westlichen Banates, ist daher auch sehr stark durch die wechselhafte Geschichte des Banates geprägt.

 

C. Zeittafel zur Geschichte der Stadt Gross-Betschkerek

( Mit Auszügen aus " Die Geschichte der Stadt Veliki Beckerek 1333-1918 " von Felix Milleker , veröffentlicht 1933 )

Die Stadt liegt 38 Grad l" östlicher Länge und 45 Grad 23' nördlicher Breite sowie mit der höchsten Erhebung 90 m über N.N. an der tiefsten Stelle 79 m über N.N. auf beiden Seiten des Flusses Bega, die bei Rudolfsgnad mit einem zweiten Arm in die Theiß mündet.                                                             Die Stadt heißt heute Zrenjanin.

1333 - 1551

Urkundliche Erwähnung^ einer Pfarre die päpstlich zehntpflichtig ist. Seit 1390 erfolgten Türkeneinbrüche, die diese Gegend unsicher machten.

25. Sept. 1551

Betschkerek wird von den Türken erobert und bleibt bis 1716 unter türkischer Oberhoheit. Betschkerek wird unter der Türkenherrschaft eine volkreiche, blühende Stadt mit vorzüglichem Weinbau. 1698 fällt Betschkerek vorübergehend unter die Kontrolle der kaiserlichen Truppen unter Prinz Eugen.

1716 - 1769

Groß-Betschkerek wird kameralisches Dorf. Das Banat als eine mit dem Schwerte eroberte Provinz wird kaiserlicher Besitz. Der Kaiser ist also nicht nur Landes- sondern auch Grundherr. Seine grundherrlichen Rechte übt er durch die Kammer aus. 1718 erhält Betschkerek das Recht Jahrmärkte abzuhalten. Wochenmärkte werden am Donnerstag abgehalten. 1719 wird ein Postamt errichtet. In der Folge wird ein Zollamt und ein Salzamt eingerichtet. 1716 kommen die ersten Deutschen als Handwerker, Händler, hierauf folgten bald Landwirte.

Ab 1722

wird die deutsche Kolonisation organisiert. In Betschkerek wollen die Kolonisten ( etwa 100 Familien ) jedoch nicht bleiben, so leben 1724 nur noch vier deutsche Familien im Betschkerek. Der Betschkereker Bezirk wird kartographisch aufgenommen.

1735 - 1737

Ein neuer Stadtteil mit dem Namen: "Neu-Barcelona" soll für spanische  Ansiedler gebaut werden, diesem ist jedoch die banater Sumpfluft nicht bekömmlich, so wird der Plan nicht ausgeführt.

1737

30 deutsche Familien kommen mit Beograder Flößen nach Betschkerek. Mit der zahlreicheren Niederlassung von katholischen Deutschen wird auch deren seelsorgerische Versorgung verbessert. 1737 wird ein Pfarrhaus gebaut. 

1719

Die Pest wütet in Betschkerek- Türkenüberfälle und Volksaufstände verwüsten die Stadt. Die meisten Bewohner sind geflohen. Die ersten Madjaren kommen nach Betschkerek. 

1740

Hungersnot in Betschkerek. Am 7. Juli 1741 dringt eine Räuberbande in den Ort ein, und übt Gewalttaten aus.

1747

zählt Deutsch-Betschkerek 49 "Mitnachbarn" wovon 11 ungarische, und 3 slawische Namen haben.

1762 - 1763

Bau der r.k. Pfarrkirche, die dem heiligen Nepomuk geweiht wird.

1766

leben in Deutsch-Betschkerek 50 deutsche, 26 madjarische, 17 serbische katholische Familien mit insgesamt 446 Mitgliedern.

1769 -1782

Betschkerek als Marktflecken. Nach einem Besuch von Kaiser Josef II notiert er in sein eigenhändig geführtes Reisejournal, daß Betschkerek eine ziemlich große Gemeinde sei. In seinem Memorandum an seine Mutter, die  Kaiserin Maria Theresia sagt er: " Nach meiner Erfahrung ist Betschkerek der gesündeste Ort im Banat. Der Betschkereker Verwaltungsamtsdistrikt ist der fruchtbarste. Um Betschkerek breiten sich die meisten zur Kolonisierung geeigneten Gründe aus. Der Ort ist groß genug. Es fehlt also nichts, als dem Präsidenten ein Haus zu bauen, zur Unterbringung der Amtskanzleien und des Archives..." Dieses außerordentlich  lobende Urteil hat Folgen. Am 6. Juni 1769 erhält Betschkerek die Stadtrechte. An der Spitze steht ein Richter mit acht Magistratsräten ( 5 Serben und 3 Deutsche ). Die Bewohner werden frei erklärt sie bestanden aus zwei Klassen: Bürger (Handelsleute und Gewerbetreibende ) und Kleinhäusler, die vom Feld- und Weinbau und vom Taglohn leben. Der Magistrat untersteht dem Kameralverwalter als königlichem Kommissär.   

1773

zählt man in Betschkerek- 721 serbische und 96 deutsche Häuser.

1778

wirken an der serbischen Schule ein Lehrer an der deutschen 2 Lehrer.

1778

Das "Temeschwarer Banat" wird in Ungarn einverleibt, am 8. Juni 1778 übernimmt Graf Kristof Nitzky die Provinz für Ungarn.

1779

Am 23. April 1779 errichtet Maria Theresia das Torontaler Komitat. Betschkerek wird Komitatshauptort. Die Bevölkerung befürchtet eine Alleinherrschaft des ungarischen Adels. 1788 stehen 900 Häuser, in der Josefinischen Zeit erhält die deutsche Bevölkerung einen wesentlichen Zuwachs.

1782-1788

werden 36 neue Häuser für 36 deutsche Kolonistenfamilien in der späteren deutschen Gasse gebaut.

1795

erhält Betschkerek eine Mittelschule mit den unteren Klassen eines Gymnasiums.

1798

zählt Betschkerek 1187 Katholiken, die Tochtergemeinden Elemir und St.Michael zusammen 429.

1807

Am 30. August 1807 vernichtet ein Großfeuer große Teile der Innen­stadt. In der Folge baut das Komitat ein neues Komitatshaus das 1816 erst vollendet wird.

1821

werden in Betschkerek 2964 r. katholische, 8071 gr.othodoxe, 205 evangelische, 42 helvetische und 253 jüdische Bewohner, zusammen 11.335 Seelen gezählt. 1827 zählt Betschkerek 13012 Bewohner.

1831

Die Cholera wütet in. Betschkerek - 174 Bewohner sterben.

1832

Ein Großfeuer in der Ungarischen Gasse zerstört in zwei Stunden 63 Wohnhäuser und 33 Wirtschaftsgebäude.

1846

Betschkerek zählt 16.616 Bewohner. Eröffnung eines Gymnasiums mit sechs Klassen.

1848

Revolutionswirren mit Auseinandersetzungen zwischen ungarischen und serbischen Fronten. Knicanin von Tomasevac war einer der serbischen Anführer.

1849

Am 18. November 1949 wird- das österreichische Kronland "Serbische Wojwodschaft und Temescher Banat" mit deutscher Amtssprache ins Leben gerufen. Betschkerek wird zum Sitz der Behörde des "Groß-Betschkereker Kreises", welcher dem früheren Torontaler Komitat entspricht.

1861

wird das Banat auf Grund einer Entschließung des Kaisers in Wien, wieder Ungarn einverleibt. Dies erregt große Unzufriedenheit unter der serbischen Bevölkerung, die die Mehrheit bildet.

1867

Mit dem Vertrag zum Ausgleich zwischen Österreich und Ungarn wird die Unzufriedenheit der Serben noch größer, sie stellen einen Forderungskatalog auf, der den Vertretern der Verwaltung übereicht wird. Die deutsche Bevölkerung ist von diesen Entwicklungen weitestgehend ausgeschlossen. Der Einfluß der madjarischen Bevölkerung wird von der ungarischen Zentralverwaltung stark gefördert. Durch die Ansiedlung von weiteren 400 ungarischen Familien im neuen Stadtteil Muzla nimmt dieser Bevölkerungsanteil ständig zu.

1879

Wird die madjarische Sprache als Unterrichtssprache eingeführt.

1883  Erste Eisenbahnverbindung zu Westeuropa über Groß-Kikinda. Innerhalb von 10 Jahren wird ein Eisenbahnstreckennetz von rd.   270 Km, mit 51 Bahnstationen im Bezirk Betschkerek gebaut.

1890

sind unter den Bewohnern von Betschkerek der Sprache nach 7969 Serben, 7874 Deutsche, 5116 Madjaren, 417 Slowaken, 382 Rumänen, 51 Kroaten, und 125 Andere.

1892  Anschluss an das internationale Telefonnetz
1895  erhält ein Elektrizitätswerk, welches ab
1896  die öffentliche Beleuchtung besorgt
1898  Schmalspurbahn Betschkerek - Hatzfeld 67 Km

1900

gibt es 9288 Madjaren, 8091 Serben, 8055 Deutsche, 423 Slowaken, 281 Rumänen, 70 Kroaten und 199 Anderstsprachige also insgesamt 26.327 Bewohner

1902  Bis 1902 bestanden über die Bega zwei Holzbrücken, diese werden durch zwei eiserne Brücken ersetzt.

1910

ergibt eine Volkszählung 4867 Wohnhäuser mit 26.006 Bewohner. Davon sind 26,3 % Slawen, 26,0% Deutsche, 35,5% Madjaren, 2,7% Andere.

nach 1918

entsteht das "Königreich der Serben, Kroaten, und Slowenen" wozu auch die Stadt Betschkerek gehört.

1921

ergibt eine Volkszählung 27.298 Bewohner. Davon sind 42,7% Slawen, 28,9% Deutsche, 26,8% Madjaren, l, 6% Andere.

1929

Unter König Alexander I, entsteht die "Königsdiktatur" Jugoslawien.

1941

Jugoslawienfeldzug, das jugoslawische Banat wird unter deutsche Besatzungsverwaltung gestellt.

1944

Anfang Oktober 1944,als die Sowjetische  Armee  überraschend  schnell vor

Gross- Betschkerek stand,sind viele Deutsche Bürger über eine bei Aradaz

errichtete Ponton-Brücke über die Theiss  nach Westen geflüchtet.Viele Deutsche

Bürger, die nicht geflüchtet waren ,werden bereits im Oktober 1944

ermordet.  Auf  Grund der AVNOJ-Beschlüsse werden die

zurückgebliebenen Deutschen enteignet und entrechtet.. Viele werden in

die eingerichteten Konzentrationslager transportiert, nach Russland  zur

Zwangsarbeit verschleppt und  nur wenige blieben in Gross-Betschkerek.

Die geflüchteten und die später freigekommenen Deutschen aus Gross-Betschkerek

bzw. deren Nachkommen sind heute überwiegend in Österreich und in

Deutschland.Viele sind  auch in die  USA, Kanada sowie nach

Brasilien, Argentinien oder Australien ausgewandert..

Nach mehr als 225 Jahren ist der deutsche Anteil an der Bevölkerung von 

Gross-Betschkerek (Zrenjanin ), der in der Stadtentwicklung  zeitweise sogar

den  höchsten Bevölkerungsanteil stellte,fast ganz verschwunden.